Meßberghof / Ballin-Haus

Meßberghof / Ballin-Haus

Am historischen Marktplatz Meßberg erwarb im damaligen Sanierungsgebiet, nachdem hier die alten Fachwerkhäuser abgerissen waren, ein Finanzkonsortium den Bauplatz und beauftragte die Brüder Hans und Oskar Gerson mit dem Bau des Ballin-Hauses, benannt nach dem jüdischen Hamburger Reeder Albert Ballin (1857-1918).
Mit seiner Fassade zum Meßberg, der Südfront zur Speicherstadt und der Nordseite zum gleichzeitig erbauten Chilehaus bildet das Ballin-Haus die südliche Begrenzung des Kontorhausviertels. Vom Meßberg aus entfaltet sich die monumentale Backsteinfassade. Aus dem sich verjüngenden Zentralbau mit einem Staffelgeschoss greifen die beiden Flügel mit zwei zurückgesetzten Staffelgeschossen. Die an sich massive Baumasse wirkt infolge der vorgezogenen Wandzungen an den Frontsprüngen und den zurückweichenden Staffelgeschossen geöffnet und spannungsreich. Die Wandzungen sind säulenähnliche, massive Strebpfeiler, die allerdings keine tragende, sondern hier eine dekorative Funktion haben.Ein Walmdach aus Titanzink verleiht dem bauästhetischen Anspruch der Moderne Ausdruck und reflektiert zugleich mit der wiederhergestellten historischen Form die Tradition des Hauses. Der Eisenbetonbau ist vollständig mit dunkel gebranntem Klinker verblendet.
Vor den ausgeschweiften Wandzungen und an den Mittelpfeilern zum Meßberg, über dem Sims, standen acht leicht überlebensgroße Skulpturen aus Elbsandstein, die der Bildhauer Ludwig Kunstmann entworfen hatte und die die Temperamente darstellten. Die bedeutenden expressionistischen Figuren mussten 1968 wegen ihres schlechten Erhaltungszustandes entfernt werden. Lothar Fischer erhielt den Auftrag, neue Skulpturen zu erstellen und schaffte acht stilisierte, moderne Sandsteinfiguren, die unterschiedliche Gegenstände halten.

Baujahr: 1922-1924

Architekten: Hans und Oskar Gerson

Das Haus kann durch zwei Zugänge, die seitlich an den Straßen Meßberg und Pumpen liegen, betreten werden. Schwellenheilige, Chimären, Fabelwesen, geschaffen von Ludwig Kunstmann als expressionistische Bauplastik, bewachen die Eingänge, die im Stil einen gotisierenden Charakter vermitteln.
Im Inneren imponiert das Treppenhaus. In den Kontorhäusern haben die Treppenhäuser eine besondere Bedeutung. Ihnen überlässt man die Funktion des Repräsentierens, nicht den Büros. Im Ballin-Haus wendelt sich die Treppe über 10 Stockwerke nach oben. Licht fällt durch ein rundes Oberlicht, gestaltet durch sternförmig angelegte gelbe Farbgläser. Etage für Etage sitzt auf dem Handlauf eine Echse. Bei der Restaurierung in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Paternoster nicht erneuert, sondern durch einen Fahrstuhl ersetzt.
1938 wurde das Ballin-Haus umbenannt in Meßberghof, weil der Reichsstatthalter von Hamburg, Karl Kauffmann (1900-1969) verfügt hatte, dass alle Straßen und Gebäude, die nach Jüdinnen und Juden benannt waren, umbenannt werden sollten. Das 1924 zur Einweihung des Ballin-Hauses enthüllte Portrait-Medallion Ballins wurde zerstört. Von der Judenverfolgung war auch der Architekt Oskar Gerson betroffen – seinem Bruder Hans Gerson war bereits 1931 ein Arbeitsverbot auferlegt worden.
Eine böse Ironie des Schicksals wollte es, dass sich während der Nazizeit im Meßberghof ausgerechnet die Firma Tesch & Stabenow niederließ, die Zyklon B nach Auschwitz verkaufte, durch das hunderttausende Jüdinnen und Juden den Tod fanden. Erst 1997 gelang es nach langen zähen und quälenden Auseinandersetzungen mit der neuen Eigentümerin im Meßberghof eine Gedenktafel anzubringen, die an diese Vergangenheit erinnert. Der damalige Bürgermeister Henning Voscherau in seiner Rede zur Enthüllung der Tafel: „Die Spur der Vernichtung, des millionenfachen Mordens in der NS-Diktatur finden sich auch in unserer Stadt. Senat und Bürgerschaft wollen sie sichtbar machen.“

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