Historie

Wir möchten Sie einladen, eine kleine Entdeckunsreise in Hamburgs Vergangenheit zu machen. Im Kontorhausviertel wird auf engstem Raum Hamburgs Geschichte von seinen Anfängen bis heute erlebbar.

830 n. CHR.

Der Ursprung Hamburgs

Am Speersort soll sich unter dem Straßenasphalt der Ursprung Hamburgs befunden haben. Archäologen vermuten, dass hier die im 8. Jahrhundert gebaute Hammaburg stand.
In ihrer Nähe befand sich die St. Petri Kirche – die Marktkirche der Kaufleute. Zur Kirche gehörte seit ca. 830 eine Kaufmanns- und Handwerkersiedlung. Die Wohnhäuser waren reetgedeckte Holzständerhäuser mit Flechtwerk und Lehm, in denen es recht dunkel, kalt und stickig gewesen sein muss. Erst später entwickelten sich die großen Häuser der Fernhandelskaufleute.
Unterhalb der vermuteten Stelle, wo einst die Hammaburg stand, entlang des Reichenstraßenfleetes (heute Gegend Große und Kleine Reichenstraße) dehnte sich eine Hafenanlage mit einem Anlegeplatz aus Pfosten und Flechtwerk aus. Hier gab es hölzerne Speicher und es siedelten sich wohlhabende Fernhändler an. Die Keimzelle Hamburgs, umgeben von Ringwällen, erstreckte sich damit um die Gegend: Domstraße, Speersort, Alter Fischmarkt, Schopenstehl, Kleine Bäckerstraße, Kleine Johannisstraße, Rathausstraße, Pelzerstraße und Bergstraße.

1250

Stadtbefestigung Heidenwall

Die Gegend um die um 1250 erbaute St. Jacobi Kirche lag bis Mitte des 13. Jahrhunderts außerhalb der früheren Stadtbefestigung, dem Heidenwall. Dieser verlief vom Schopenstehl am St. Marien Dom vorbei, wo heute das Helmut-Schmidt-Haus steht, über die Stein- und heutige Mönckebergstraße in einem leichten Bogen bis zur Binnenalster. Um 1240 wurde hier eine Mauerbefestigung mit Türmen gebaut. Abgetragen wurde der Heidenwall zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert.

1892

Cholera-Ausbruch

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Jacobikirchspiel immer dichter bebaut mit Fachwerkbuden und einem Labyrinth von Gängen. Dort lebten die sog. „kleinen Leute“, die Ende des 19. Jahrhunderts von einer Katastrophe heimgesucht wurden: 1892 brach in Hamburg die Cholera aus. Betroffen waren hauptsächlich das St. Michaelis- und das St. Jacobikirchspiel, denn dort herrschten in den dichtbebauten Gängen unbeschreiblich unhygienische Bedingungen. 16.596 Menschen erkrankten, 8.605 von ihnen starben. Gleichzeitig erfolgte der Zollanschluss und die Wohn- und Kontorhäuser auf der Wandrahminsel mussten geräumt werden. Ca. 30.000 Menschen verloren dadurch ihre Wohnungen.

ab 1890

Zunahme der gewerblichen Nutzung des Stadtkerns

Jetzt endlich entschloss sich der Senat für ein Sanierungsprogramm: In der Innenstadt wurden drei Wohngebiete als Sanierungsbereiche ausgewiesen, darunter auch die Altstadt um die Steinstraße bis zum Meßberg. Noch vor dem Ersten Weltkrieg begann man beiderseits der Steinstraße mit dem Abriss der alten Häuser, um ein hafennahes Wohnviertel zu bauen. Doch es entstand keine neue Wohngegend. Unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse wurden Geschäftshäuser gebaut. Da nützte kein Protest. Durch diese Sanierungsmaßnahmen verringerte sich zwischen 1890 und 1925 die Wohnbevölkerung in der Innenstadt um 50 Prozent, in einigen Bereichen der Altstadt sogar um 75 Prozent. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels wurden in die Jarrestadt nach Winterhude und auf die Veddel umgesiedelt, und es entstand zwischen Steinstraße, Burchardplatz und Meßberg das Kontorhausviertel.

1912

Entstehung des Kontorhausviertels

Der Bau des Kontorhausviertels begann um 1912 und wurde durch die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg verstärkt vorangetrieben. Als dann Ende der 20er Jahre des 20. Jahrunderts die Weltwirtschaftskrise ausbrach, ging zwar die Nachfrage nach Büroflächen zurück, doch es wurde weiter gebaut. Der Abriss der Häuser nördlich der Altstädter Straße erfolgte noch bis in die 30er Jahre.

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, errichteten sie um 1937/38 auf den noch freien Flächen im Sanierungsgebiet weitere Geschäftshäuser, so das Bartholomay Haus. Entsprechend ihrer Ideologie, die sich u. a. in dem Motto „Zurück zur Scholle“ äußerte, wurden nun auch Wohngebäudekomplexe gebaut. So entstand der Altstäder Hof.

Die Häuser im Kontorhausviertel haben zwei gemeinsame Prinzipien: sie sind als Stahlbeton-Skelettbauten konstruiert und die Fassaden sind mit Backstein verkleidet, denn so die damals maßgeblichen Architekten Hans und Oskar Gerson: „der Backstein (werde) mit zunehmendem Alter immer schöner und die Häuser (gewinnen dadurch) an Reiz“.