Top Band

UNESCO-Welterbe

1972 hat die UNESCO das "Internationale Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" verabschiedet. Zwischenzeitlich wurde das Abkommen von mehr als 180 Staaten unterzeichnet. Es ist das international bedeutendste Instrument, das jemals von der Völkergemeinschaft zum Schutze ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde. Demnach liegt die Verantwortung für den Schutz eines Kultur- oder Naturgutes, das einen "außergewöhnlichen universellen Wert" besitzt, nicht nur allein in der Hand des Ursprungsstaates, sondern fällt vielmehr unter die Obhut der gesamten Menschheit. Ein eigens von der UNESCO eingerichtetes zwischenstaatliches Komitee, das sogenannte UNESCO-Welterbekomitee, prüft jährlich, welche Anträge von Stätten zur Aufnahme in die Liste des UNESCO Welterbes neu berücksichtigt werden. Dabei prüft das UNESCO-Welterbekomitee, ob die von den Mitgliedsstaaten vorgeschlagenen Stätten die in der UNESCO-Welterbekonvention festgelegten Kriterien erfüllen. Grundvoraussetzungen, die in jedem Fall erfüllt werden müssen, sind der universelle Wert, die Einzigartigkeit und die Authentizität eines Kulturerbes sowie die Integrität einer Naturerbestätte.


Hinzu kommt eine Zukunftsprognose:


Das Welterbegut muss dauerhaft angemessen geschützt und erhalten werden. Aus diesem Grund werden die gesetzlichen Schutzbestimmungen wie z. B. Stadtentwicklungs- und Bebauungspläne oder Bestandsschutzvorgaben genau geprüft, wird ein Managementplan gefordert und ebenfalls analysiert. Auch wird erwartet, dass genügend Sachmittel und Personal vorhanden sind, um die Erhaltung der vorgeschlagenen Welterbestätte zu garantieren. Schon die Darstellung der Aufnahmekriterien lässt erkennen, wie aufwendig, anspruchsvoll, ja elitär, dieses Aufnahmeverfahren ist. Es reicht nicht aus, nur umfangreich begründete Bewerbungsunterlagen einzureichen, sondern der Antragsteller muss auch für den Fall einer Ernennung sicherstellen, dass das neue Welterbe auf Dauer geschützt und gepflegt wird. Auch muss dem Informationsbedürfnis der Bevölkerung und von Besuchern durch ein Welterbe-Informationszentrum Rechnung getragen werden. Trotzdem ist der Andrang, in die UNESCO-Liste aufgenommen zu werden, ungebrochen - bringt sie dem Kandidaten neben Anerkennung und Prestige doch auch massive wirtschaftliche Vorteile.


Das UNESCO-Prädikat kann zu einer erheblichen Wertsteigerung einer Stadt bzw. einer ganzen Region führen. Mittlerweile gibt es weltweit einen richtigen Welterbe-Tourismus. Es haben sich sogar Reiseagenturen auf die Vermarktung von UNESCO Welterbe- Gebieten und Stätten spezialisiert. Empirische Untersuchungen zeigen, dass sich durch eine Welterbe Nominierung eine massive Steigerung von Besucherzahlen erreichen lässt, mit allen Vorteilen für die Gastronomie, die Hotellerie sowie den gesamten Tourismus, insbesondere durch die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Das Hamburger Bewerbungsverfahren

Den Anforderungen dieser Auswahlkriterien hat sich nunmehr auch die Freie und Hansestadt Hamburg mit Erfolg gestellt. Schon seit Jahren wurde an der Umsetzung des Welterbeprojekts "Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus" von der Kulturbehörde bzw. dem Denkmalschutzamt gearbeitet. Ursprung der erfolgreichen Bewerbung war bereits das 1997 vom Verlag Gruner & Jahr in Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe initiierte Projekt "Lebendige Elbe", aufbauend auf der Vision, vielen der herausragenden Kultur- und Naturstätten entlang der Elbe das UNESCO-Prädikat zu verschaffen.


Unter aktiver Unterstützung des UNESCO Beraters und Gründers des Welterbezentrums in Paris, Herrn Prof. Dr. Bernd von Droste zu Hülshoff, wurde dann die Welterbe Nominierung des Chilehauses, das bereits seit 1998 auf der nationalen Tentativliste stand, welche der UNESCO von der Kultusministerkonferenz vorgelegt wird, konzeptionell um das Kontorhausviertel und die Speicherstadt erweitert. Das Denkmalschutzamt übermittelte insoweit im Herbst 2005 der Kultusministerkonferenz den Wunsch, die Nominierung in der deutschen Tentativliste entsprechend zu erweitern. Diesem Wunsch wurde 2006 sodann entsprochen.


Seit dieser Zeit wurde mit großem Aufwand die Ausarbeitung der Bewerbungsunterlagen vorangetrieben. Den überaus anspruchsvollen Aufnahmekriterien geschuldet, wurden nicht nur Expertentreffen organisiert und Arbeitsgruppen gebildet, sondern externe Berater hinzugezogen. Noch im Jahre 2006 gab es eine Ortsbesichtigung des internationalen Rats für Kulturdenkmäler "ICOMOS", eine das Welterbekomitee der UNESCO beratende Organisation, die sich zunächst mit dem Chilehaus als Schwerpunkt einer etwaigen Bewerbung und seiner direkten Umgebung auseinandersetzte. Die "ICOMOS" wurde in diesem Zusammenhang mit der Erstellung einer Machbarkeitsexpertise beauftragt, um der Freien und Hansestadt Hamburg für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen eine Handlungsrichtlinie zu geben und um etwaige städtebauliche Schwachstellen aufzuzeigen. Im Frühjahr 2007 lag der Bericht vor und wies u. a. auf Defizite hin, die auch von der IG Kontorhausviertel e. V. seit jeher bemängelt wurden: Unangemessene Nutzung der gesamten Fläche des Burchardplatzes als Parkplatz, mangelnde faktische wie auch visuelle Anbindung des Kontorhausviertels zur Speicherstadt über den Meßberg und den Wandrahmsteg.


Jedoch nicht nur lokale Missstände bedurften einer Aufarbeitung in den Bewerbungsunterlagen. Vielmehr erforderte die Nominierung eine Verknüpfung von internationalen Richtlinien mit der konkreten Gesetzeslage und planungsrechtlichen Grundlagen. Entsprechend den Leitlinien für die Anwendung der Welterbekonvention erarbeitete die Kulturbehörde bzw. das Denkmalschutzamt zusammen mit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in jahrelangen Abstimmungsvorgängen Lösungsvorschläge zur städteplanerischen Umsetzung, die z. B. in die verkehrlichen Anforderungen zur Erschließung der Hafencity, dem "Entwicklungskonzept Speicherstadt" sowie dem Innenstadtkonzept 2010 Eingang fanden. Diese Planungskonzepte waren wiederum Grundlage des sogenannten Managementplans, der von der UNESCO als informelles Dokument gefordert wurde, um internationale und lokale Direktiven zu verknüpfen. Im Frühjahr 2010 beauftragte der Senat die Behörde für Kultur und Medien, den Antrag um Aufnahme des Ensembles "Chilehaus und Kontorhausviertel mit angrenzender Speicherstadt" in die Welterbe Liste zu erarbeiten. Im Rahmen der Bearbeitung der Antragsunterlagen wurde im Zusammenwirken mit diversen Experten der Antrag in "Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus" umgestellt, um die besondere Bedeutung der Verbindung dieser beiden städtischen Räume herauszuarbeiten.


Anstoß dafür gab auch die internationale Tagung "Stadtentwicklung zur Moderne Die Entstehung großstädtischer Hafen- und Kontorhausquartiere", die im Oktober 2011 in Hamburg stattfand. Ende 2012 waren erste Antragstexte vorbereitet und der Managementplan abgeschlossen. Eine letzte Überarbeitung und die Zusammenstellung aller Unterlagen erfolgte im Frühjahr 2014. Dabei handelte es sich um Antragsunterlagen, deren Begründung und Anlagen einen Umfang von über 500 Seiten aufwies - eine Mammutaufgabe, die das Denkmalschutzamt der Kulturbehörde in monatelanger Arbeit erledigte.


Die eingereichten Unterlagen wurden durch die Experten von "ICOMOS" international geprüft. Im Oktober 2014 besuchte der estnische "ICOMOS"-Gutachter Prof. Mart Kalm die Speicherstadt und das Kontorhausviertel und ließ sich wiederum durch die Experten der Hamburger Kulturbehörde die Einmaligkeit unseres Ensembles erklären. Im Mai 2015 wurde dann ein auf den Ausführungen von Prof. Kalm basierendes Gutachten durch ein Gremium von "ICOMOS" International dem UNESCO-Welterbekomitee mit der Empfehlung, die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus als UNESCO-Weltkulturerbe anzuerkennen, vorgelegt.

Medium Rectangle

Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus

Am Sonntag, den 05. Juli 2015, entschied sodann das UNESCO-Welterbekomitee auf dessen 39. Sitzung in Bonn über die Aufnahme der Hamburger Stätten in die UNESCO-Welterbeliste.


Seitdem können wir uns glücklich schätzen und stolz darauf sein, dass nunmehr auch die Hansestadt Hamburg als letztes verbleibendes Bundesland ein Welterbe hat.

Medium Rectangle